Bisphenol A – ein Gift im Alltag

Dieser Artikel gibt einen Überblick über Bisphenol A und seine gesundheitlichen Auswirkungen.

1. Kurzübersicht

Bei Bisphenol A handelt es sich um einen Stoff, der nicht nur in vielen Produkten des täglichen Lebens vorkommt, sondern auch im Körper von jedem von uns nachweisbar ist. Er findet sich in vielen Kunststoffprodukten wie Wasserflaschen, Wasserkochern, beschichteten Konservendosen und mittlerweile auch in Flüssen und Seen, sowie unserem Trinkwasser. Anders als bei „klassischen“ Giften handelt es sich bei ihm um einen hormonell wirksamen Stoff, daher ist es schwierig eine toxische Grenzen festzulegen. Während dieser Stoff in Kanada in vielen Bereichen verboten wurde und viele internationale Studien toxische Wirkungen auch bei minimaler Belastung nachweisen konnten, wurde in der EU der Grenzwerte verfünffacht. Daher ist es für den gesundheitsbewussten Bürger sinnvoll sich selbst zu schützen, in dem er das Risiko kennt und, sofern möglich, meidet. [1] [2]

2. Was ist Bisphenol A und wo kommt es vor?

Bei Bisphenol A [kurz BPA] handelt es sich um einen Zusatz- und Grundstoff für Kunststoffe und Epoxidharze, der vor allen Dingen die Hitzebeständigkeit erhöht. Im menschlichen Körper wirkt BPA wie das Hormon Östrogen. Hergestellt wird BPA aus Phenol und Aceton. Kombiniert man BPA mit Phosgen so entsteht der Kunststoff Polycarbonat, kombiniert man ihn mit Epichlorhydrin entsteht Epoxidharz. Neben diesen beiden Hauptprodukten wird BPA, wie bereits angedeutet, etwa als feuerhemmendes Additivum in diversen Kunststoffen eingesetzt.

Daraus ergeben sich schon die Anwendungsgebiete in unserem Alltag. Wasserkocher wären ohne diesen Kunststoff undenkbar, Wasserflaschen werden hitzebeständiger und können so in der Spülmaschine gewaschen werden, Konservendosen sind innen oft mit Epoxidharz beschichtet.

Abhängig von Temperatur, Dauer und pH-Wert geht BPA aus diesen Produkten in Lebensmittel über. Dies stellt die Hauptbelastungsquelle für den Menschen dar.

Weiterhin findet sich BPA auch in Klebern, Baumaterial und konnte schon in der Atemluft nachgewiesen werden. Eine weitere Quelle stellen Kunststofffüllmaterialien in der Zahnmedizin dar. Kunststoffrohre im Rahmen der Wasserversorgung, sowie das Abwasser aus der Kunststoffindustrie konnten ebenfalls als Quellen identifiziert werden.

In einer repräsentativen Studie in den USA konnte im Urin von 92,6% der Probanden BPA nachgewiesen werden. Zudem wurde im menschlichen Fettgewebe und in Muttermilch BPA gefunden.

Die gemessenen Konzentrationen liegen in einem Bereich, der im Tierversuch schon zu erheblichen Gesundheitsschäden geführt hat. Damit wollen wir uns im nächsten Abschnitt befassen. Weiterhin gehen Experten davon aus, dass die US Ergebnisse auf alle Industrieländer übertragbar sind. [4]

3. Gesundheitliche Auswirkungen

In diesem Abschnitt wollen wir zuerst einen Blick auf die hormonelle Wirkung werfen, uns danach nachgewiesene Auswirkungen beim Menschen ansehen und dann die Auswirkungen auf Tiere betrachten. Hierbei sind vor allen Dingen die Auswirkungen im Bereich kleiner Dosen interessant.

Hormonelle Wirkungen:

  • verfrühte Geschlechtsreife bei Mädchen
  • verminderte Spermienzahl bei Männern
  • Prostata- und Brustkrebs (erhöhtes Risiko)
  • Fettleibigkeit bei Jugendlichen (erhöhtes Risiko)
  • Nervenschäden
  • Diabetes Typ 2 (erhöhtes Risiko)
  • Fehlgeburten (erhöhtes Risiko)

In den letzten 50 Jahren gab es einen Trend zu verminderter Fruchtbarkeit bei Männern und zu Missbildungen der Geschlechtsorgane von Tieren (vor allem bei Fischen). Eine Hypothese besagt, dass diese Entwicklung mit der BPA Belastung der Umwelt in Zusammenhang steht.

Angemerkt werden soll, dass der Zusammenhang mit Fehlgeburten über eine japanische Studie aus dem Jahre 2005 nachgewiesen wurde. Alle anderen Risiken werden aus Tierversuchen abgeleitet und stehen im Einklang mit der Wirkung von Östrogen im menschlichen Organismus.

Wirkungen im Niedrigdosisbereich:

  • Hemmung der Synapsenbildung im Gehirn
  • Gestörte Funktion des Immunsystems
  • führt während der Schwangerschaft zu Chromosomschäden

Alle beschriebenen Effekte wurden im Tierversuch nachgewiesen und sind aller Wahrscheinlichkeit nach auf den Menschen übertragbar. Diese Effekte konnten bei relativen Dosen (Mikrogramm pro kg Körpergewicht) in Konzentrationen erfasst werden, die in dem Bereich liegen, in dem die nachweislichen Belastungen im menschlichen Organismus angesiedelt sind. [3] [4]

4. Lage und Ausblick

In Kanada wurde im Jahre 2008 eine Studie veröffentlicht, die zu dem Schluss kam, dass Säuglinge und Kleinkinder durch BPA stark gefährdet sind. Daraufhin wurden Baby- und Wasserflaschen aus Polycarbonat verboten. Eine US-amerikanische Studie belegt einen Zusammenhang zwischen Hyperaktivität, Diabetes und verfrühter Geschlechtsreife bei Mädchen und BPA beim Menschen.

Im Gegensatz dazu kam die europäische Lebensmittelbehörde EFSA zu dem Ergebnis, dass BPA weniger schädlich sei als angenommen. Die Grenzwerte in der EU wurden daraufhin um den Faktor 5 angehoben. Seitens Verbraucherschützer wird dabei moniert, dass das Gremium mit industriefinanziertem Personal aus industrienahen NGOs besetzt war. Weiterhin bleibt festzustellen, dass die Studie der EFSA dem internationalen wissenschaftlichen Konsens widerspricht. Verbraucherschützer engagieren sich dafür, dass BPA als gefährlicher Stoff gekennzeichnet wird damit eine genauere Überprüfung im Rahmen des REACH Programms durchgeführt wird. Bisher hat sich weder die EU Kommission noch eine nationale Regierung für eine Überprüfung stark gemacht. Und das obwohl auch Prof. Dr. Ibrahim Chahoud, Sprecher der WHO für Fragen der Toxikologie, sich für eine weitere Überprüfung einsetzt und vor den Folgen von BPA warnt. [1] [4]

5. Verbrauchertips

Da ein Verbot von BPA noch in weiter Ferne steht, besteht für den gesundheitsbewussten Verbraucher einzig die Möglichkeit aus Eigeninitiative heraus seine Belastung zu minimieren. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, das dies mit der Aufgabe lieb gewonnener Angewohnheiten einhergeht. Es wird einem dabei erst Richtung bewusst welche Rolle Kunststoffe in unserem Alltag spielen. Dennoch ist die Minimierung der Belastung möglich. Nachfolgend werden Tips dazu gegeben. Sie orientieren sich im großen und ganzen an den Verbrauchertips des BUND. Allen Interessierten sei die Broschüre des BUND [4] zum Thema BPA ans Herz gelegt!

  • Auf Polycarbonatverpackungen bei Lebensmittel verzichten. Verpackungen sind mit dem Recyclingcode 7 oder dem Kürzel PC gekennzeichnet
  • Beschichtete Konservendosen meiden
  • Plastikflaschen, Becher, Wasserkocher usw. meiden
  • Alternativen können Glasflaschen, Edelstahlwasserkocher, Polyethylenfolien usw. sein

[4] [5]

Quellen

[1] http://de.wikipedia.org/wiki/Bisphenol_A

[2] http://www.sueddeutsche.de/gesundheit/697/378503/text/

[3] http://rcswww.urz.tu-dresden.de/~gehring/deutsch/dt/mitar/ge.html

[4] http://www.bund.net/bundnet/themen_und_projekte/chemie/chemie_und_gesundheit/bundschwerpunkte/bisphenol_a/

[5] http://de.wikipedia.org/wiki/Recycling-Code

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