Ochsengalle und Knoblauch – ein mittelalterliches Rezept gegen Supererreger von heute

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MRSA7820“ von Content Providers: CDC/ Janice Carr/ Deepak Mandhalapu, M.H.S. Lizenziert über Wikimedia Commons.

Multiresistente Erreger sind ein Schrecken der modernen Medizin. Das sind Keime, die gegen Antibiotika oder Virostatika resistent geworden sind. (Wer zweifelt denn da noch an der Evolution?)

Weil der (regelmäßige) Einsatz von Antibiotika zu resistenten Keimen führt, fließt viel Geld in die Erforschung neuer Antibiotika. Manchmal lohnt sich aber auch ein Blick in die Vergangenheit, um die Antibiotika der Zukunft zu entdecken.

Forscher der University of Nottingham in England haben entdeckt, dass ein mittelalterliches Rezept für eine Salbe gegen Augeninfektionen eine hervorragende Wirkung gegen MRSA-Erreger aufweist. Das Rezept stammt aus einem der ältesten medizinischen Lehrbücher, dem sogenannten Bald’s Leechbook aus dem 9. Jahrhundert. Das Buch ist gegenwärtig in der British Library zuhause.

“take cropleek and garlic, of both equal quantities, pound them well together, take wine and bullocks’ gall, of both equal quantities, mix with the leek, put this then into a brazen vessel, let it stand nine days in the brass vessel, wring out through a cloth and clear it well, put it into a horn, and about night time apply it with a feather to the eye.”

Gemäß diesem Rezept sollen Zwiebeln und Knoblauch (zerstampft) in einem Messinggefäß mit Wein und Galle von der Kuh 9 Tage einweichen. Danach siebt man das Gemisch, füllt es in ein Horn, und trägt es nachts mit einer Feder dem Auge auf.

Einzeln haben die Zutaten kaum eine Wirkung gezeigt, aber zusammen wirkten sie so gut wie das beste Antibiotikum, das wir heute haben – nur 1 von 1000 Bakterien konnte der Salbe trotzen. Vermutlich wirkt die Zubereitung, indem sie die Kommunikation der Bakterienzellen untereinander unterbindet und dadurch der Entstehung eines Biofilms, einer Art schützender Schleimschicht von Mikroorganismen, entgegenwirkt.

Zu dem Forschungsprojekt der University of Nottingham, dem AncientBiotics Project, gibt es auch einen kleinen Film (allerdings auf Englisch).

Wir haben übrigens auch schon über die Wirkungen von Knoblauch und Ingwer geschrieben.

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