Schlemmen und Wandern in Yosemite

Anfang August letzten Jahres war ich im Yosemite zelten, wie hier angekündigt. Wir hatten fantastisches Wetter, sodass ich immer ohne Zelt schlafen konnte, hervorragendes Glück mit den Zeltplätzen und eine sehr, sehr schöne Zeit. Die Landschaften und die Natur waren atemberaubend. Weil die meisten Besucher selten die ausgetretenen Pfade der „Highlights“ verlassen, wir aber fast immer querfeldein gewandert sind, waren wir ungestört und konnten ganz andere Seiten des Parks als die der Postkarten entdecken. Im Großen und Ganzen war alles sehr erholsam. Wir hatten aber auch zwei kleinere spannende Erlebnisse.

Ursus arctos.

Einmal hörten wir früh morgens im Camp einen Schuss und Geschrei. Wir dachten, dass vielleicht ein Bär unterwegs ist. Leute auf dem Zeltplatz hatten uns erzählt, dass ein Bär nachts zuvor gekommen ist und erst durch ihre beiden Hunde verjagt wurde. Wir hatten auf der Reise noch keinen Bär gesehen, sehr zu meinem Entsetzen, und so packte ich meine Sachen und ging schnell in Richtung des Lärms. Siehe da, in der Ferne war ein 200 kg schwerer Schwarzbär auszumachen. Es hatte sich schon eine kleine Menschentraube gebildet und ich habe mich mit den Leuten unterhalten, die den Bär zuerst gesehen hatten. Anscheinend war der Bär mitten im Camp unterwegs gewesen, als er auf einen Besucher losgestürmt ist. Deswegen das Geschrei und der Schuss. Schusswaffen für Privatpersonen sind in den Nationalparks verboten, aber der Angegriffene war Polizist und hatte seine Dienstwaffe dabei. Als der Bär auf ihn zu rannte und seine Schreie nichts bewirkten, schoss er mit seiner Pistole in den Boden. Der Bär erschrak wegen des Knalls und ist weggelaufen — mit den Leuten aus dem Camp alle schreiend hinterher!

Laut Ranger war der Bär die vergangenen Tage schon öfters im Zeltplatz unterwegs. Weil der Bär aber nun jemanden angegriffen hat, würden sie ihn aufspüren und erschießen. Das Traurige ist, dass der Bär durch Besucher angelockt wurde und deswegen seine Scheue verlor. Ein paar Nächte bevor wir kamen hatten Besucher ihr Essen draußen gelassen und nicht in den bärensicheren Aufbewahrungskästen aufbewahrt. Bären haben eine ungleich feinere Nase als Hunde und werden durch Gerüche sehr leicht angelockt. Sind die Gerüche hinter Schloss und Riegel, ist das nicht weiter problematisch. Der Bär schnuppert, merkt, dass er nicht dran kommt, und schlendert weiter. Kommt der Bär aber an die Sachen dran, kommt er immer wieder und wird dabei von Mal zu Mal forscher. Auch der Polizist (der übrigens einige Jahre in Deutschland gelebt hat, bevor er in die USA ausgewandert ist, aber ursprünglich irgendwo aus Osteuropa kam) war selbst Schuld. Der Bär wühlte in Essensverpackungen, die der Polizist draußen gelassen hatte. Seine Entschuldigung war, dass die Verpackungen ja leer gewesen seien.

Der Polizist hat sich aber nicht auf Unwissen berufen können. In den Parks wird es einem geradezu eingebläut, Essen und andere duftende Sachen wie Seife nie unbeaufsichtigt draußen zu lassen. Es wird einem auch nicht schwer gemacht, sich an die Parkregeln zu halten. Jeder Zeltplatz hat seinen eigenen, großen Sicherungskasten, in dem man seine Sachen aufbewahren kann. Tja. So haben die Besucher indirekt einen Bären auf den Gewissen. Der Ranger war aber ehrlich gesagt auch komisch. Wir alle hatten den Eindruck, dass er sich geradezu freute, den Bär abzuknallen!

Puma concolor.

Das andere Abenteuer fand außerhalb Yosemites im angrenzenden Inyo National Forest statt. Dort haben wir eine Nacht in der Hochwüste vebracht. Abends haben wir Lammkoteletts gegrillt; wir waren zuvor durch eine Stadt gekommen und holten uns gleich was leckeres. Ob es an den Koteletts lag kann ich nicht sagen, aber wir haben beim Grillen das ständige Maunzen eines Berglöwen gehört. Auch wenn es recht unwahrscheinlich ist, dass ein Puma eine Gruppe von mehreren Personen angreift, waren wir trotzdem sehr vorsichtig.

Kurz nachdem ich mich hingelegt hatte und ich darüber nachdachte, dass ich es vermutlich nicht hören würde, wenn sich ein Berglöwe anschleicht und auf mich stürzt, rannte plötzlich ein paar Meter neben mir ein Tier vorbei. Nach der ersten Schrecksekunde vermutete ich, dass es nur ein Hase war, aber ich war schon längst wieder hellwach. Der klare Sternenhimmel und die unzähligen Sternschnuppen waren aber Entschädigung genug. Die Sterne waren so schön, dass ich gar nicht einschlafen wollte. Das war auch gut so, denn ich sollte noch ein weiteres Mal aufgeschreckt werden als der Berglöwe den Hasen wohl erwischte. Ein lautes Fauchen und Knurren wurde sofort von einem schrillen Quieksen gefolgt … und ich konnte wieder einige Sternschnuppen beobachten.


Die sechs Bilder oben und die zwei in der linken Spalte unten sind alle vom Inyo National Forest. Die zwei unten in der rechten Spalte sind von einem anderen National Forest, der nördlich von Yosemite ist.

Das Essen.

Ich möchte Euch auch nicht unsere Verpflegung vorenthalten. Weil wir mit dem Auto da waren und alle paar Tage Einkaufsmöglichkeiten hatten, haben wir oft sehr luxuriös gespeist.

Im zweiten Bild röste ich gerade ein paar Cashewkerne an. Auf dem letzten Bild wird eine Banane gebacken, eine wunderbare Delikatesse. Auf dem dritten Bild sind die gelben Dinger Maistortillas und das andere ist ein Blutpfannkuchen. Das Fleisch (selbstverständlich vom Weiderind) hat während der Reise kräftig Blut gelassen und das habe ich dann in die Pfanne gekippt. Sehr lecker! Gebraten haben wir immer mit Ghee.

Das Messer in dem vorvorletzten Bild ist ein klassisches und geniales Opinel No. 8 in der nicht-rostfreien Ausführung (au carbone). Ich ziehe nicht-rostfreie Klingen vor, weil sie, im Grundsatz, schärfer als rostfreie Klingen zu bekommen sind. Der Stahl des Opinels ist auch nicht so hoch gehärtet, wodurch das Messer super leicht zu schärfen ist.

Wir haben auch Quinoa gegessen, mit reichlich Olivenöl, Zwiebeln und Tomaten. Ein Gedicht, wovon ich aber leider vergessen habe, ein Photo zu machen. Wir hatten auch verschiedene Rohmilchkäse-Sorten dabei, die wir mit Tortilla-Chips gegessen habe. Chia Samen durften selbstverständlich auch nicht fehlen. Als chia fresca ist Chia ein wahrlich perfektes Nahrungsmittel/Getränk für Wanderungen: energiereich, platzsparend, sättigend aber nicht stopfend. Zu Beginn hatten wir auch ein paar Früchte mit, aber die meisten Früchte reisen nicht gut. Deshalb nur wenige, die wir auch gleich zu Beginn, wie die Tomaten, gegessen haben.

Die Ausrüstung. Nur kurz was zur Ausrüstung. Eine einfache Isomatte reichte als Bodenschutz aus. An Kleidung hatte ich nur zwei oder drei T-Shirts mit, eine kurze Hose, zwei lange Hosen, zwei Pullis und eine dickere Jacke (morgens und nachts wurde es richtig kalt). An den Füßen hatte ich Mokassins und ein sehr angenehmes Barfußfeeling. Meine Füße waren das allerdings schon gewohnt. Dem Neueinsteiger würde ich das nicht empfehlen, den dem ungeübten Fuß tun auch kleinere Steine doch erstaunlich weh. Jemand anderes hatte noch eine Axt für schwierigere Arbeiten mit. Die Äxte von Gränsfors Bruks sind wirklich sehr gut gemacht, muss ich sagen. Eine Freude zum Arbeiten!

Zusamenfassung: Der Ausflug war sowohl in kulinarischer als auch landschaftlicher Hinsicht super. Yosemite kann ich jedem empfehlen; die Nationalparks der USA sind in der Tat America’s Best Idea.

8 Kommentare:

  1. Vielen Dank für den hervorragender Bericht und die atembraubenden Bilder!

    Die Nationalparks in den USA muss ich unbedingt mal kennenlernen.

    • Sehr gerne! Die Nationalparks sind ein großartiger Schatz. Leider wurde zuletzt diskutiert, ihnen das Geld zu streichen. Dabei bekommen sie im Gesamtschau kaum was ab. Bei den State Parks der Bundesstaaten sieht es leider nicht besser aus. Manchen geht es finanziell richtig schlecht (zwischen den einzelnen Bundesstaaten gibt es allerdings riesige Unterschiede). Dabei sind viele der State Parks genauso so schön – und wichtig – wie die Nationalparks. Hier noch ein Link zum National Park Service: http://www.nps.gov/index.htm

      • Traurig. Gegen die landschaftliche Vielfalt in den USA aber auch Kanada sieht es in Deutschland ja leider eher mager aus. Aber mir scheint, wenn man wirklich hochwertige Lebensmittel möchte, muss man sowieso in die USA gehen, in D ist die Versorgung leider etwas dürftig.

        • Wobei das geographische Europa auch eine sehr große Vielfalt zu bieten hat. Aber ja, in Deutschland fehlt die Weite, die man in der neuen Welt hat.
          Es stimmt, in den USA ist die Versorgung mit hochwertigen Lebensmitteln wirklich sehr einfach und auch vergleichsweise günstig. In Deutschland muss man sich schon deutlich mehr anstrengen. Nur bei Rohmilchweichkäse tut man sich leichter! 🙂
          p.s. Schau Dir zB http://www.wholefoodsmarket.com/meat/grassfed.php an! Ein weitverbreiteter Bio-Supermarkt.

          • Ja, ich kenne diese Seiten der US-Supermärkte. Vergleiche das mal mit der Situation in D. Wenn du hier irgendwo nach Weidefleisch oder Fütterungspraktiken fragst, wirst du schief angeschaut. Glücklicherweise habe ich vor kurzem auf dem Markt Weidelamm gefunden, sowie frische Ziegenmilchprodukte von Weidetieren. Dagegen gibt es einfach nirgendwo „pastured eggs“, die wird man wohl leider in ganz D nicht finden… Abgesehen davon ist das beste Fleisch das es hier gibt das von Tieren, die hauptsächlich draußen Weiden und die letzten Wochen über ein „grain finish“ bekommen. Oder ab und zu mal Galloways, gibt es aber nur vereintelt in D.

  2. I just finished reading what you wrote. It made me relive it all.

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