So bereitet man Eicheln zu …

… und andere Leckereien wie Wurzeln, Beeren und Pilze, die unsere europäischen Vorfahren in aller Wahrscheinlichkeit gegessen haben.

Gestern habe ich die hervorragende Serie „Wild Food“ von und mit dem fabelhaften Ray Mears entdeckt. Ray Mears ist ein lebenslanger Student des Bushcraft, also der Fähigkeit, nur mit den Ressourcen der Natur zu überleben. Er hat zahlreiche Bücher verfasst und auch Dokumentationen zum Thema produziert. Die Serien Bushcraft und World of Survival kann ich nur empfehlen. Seine anderen Arbeiten kenne ich nicht, vermute aber, dass sie ebenfalls sehr gut sind. Zudem führt er eine Überlebensschule in England.

Mears Dokumentationen sind ganz anders als die vielleicht bekanntere Überlebenssendung Man vs Wild (auf deutsch: Abenteuer Survival) von Bear Grylls. Während Grylls Sendung mehr in Richtung Unterhaltung und Abenteuer geht, berichtet Mears auf eine ruhigere Art, die eher wissensvermittelnd ist und, so empfinde ich es, länger fesselt.

Zubereitung von Pflanzen – nicht immer einfach

In der Episode Woodland zeigt Mears welche Nahrung uns ein englischer Wald liefern kann. Unter anderem spricht er über die Zubereitung von Eicheln.

Sehr interessant finde ich, dass die Eicheln, nachdem sie zermalmt werden, für längere Zeit in Wasser getaucht werden, um unerwünschte Stoffe wie Tannine auszuspülen, die ansonsten die Verdauung von Eiweiß hindern würden.

In traditionell lebenden Völkern findet man noch heute aufwendige Zubereitungsweisen für Getreide und Hülsenfrüchte, die früher allgegenwärtig waren. So hat man in der Regel zuerst eingeweicht, dann gemahlen, dann hat man 50-75% der Kleie entfernt, anschließend die Masse fermentiert und schließlich gekocht.1

Die besondere Zubereitung von Pflanzen ist ein roter Faden, der sich durch die verschiedensten Kulturen zieht. Viele Pflanzen sind für den Menschen nämlich nicht genießbar, sei es auf einer akuten oder chronischen Ebene, und müssen erst eine aufwendige Zubereitung durchlaufen, damit sie der Gesundheit zuträglich sind.

Zwar verwenden die meisten von uns heute nie wirklich giftige Pflanzen wie die Wurzeln, die in Teil 5 der Serie zubereitet werden. Daher spielen akute Vergiftungen keine Rolle. Aber wie viele Leute weichen denn Linsen für 24-48 Stunden ein, bevor sie gekocht werden, damit der Gehalt an Phytinsäure reduziert wird und dadurch Nährstoffe besser aufgenommen werden können?

Ich glaube, dass viele traditionelle Zubereitungstechniken von Pflanzen durch die Jahre perfektioniert wurden und einen Sinn haben. Dass wir diese heute vernachlässigen, tun wir, wie Stephan in einer seiner Beiträge schreibt, auf eigene Gefahr. Evolution ist ein Mechanismus, der auch unsere Kultur in all seinen Aspekten verfeinert. Dazu gehört auch die Ernährung. Aufwendige Zubereitungsweisen hätten sich nicht etabliert, wären sie ohne Sinn.

Die Episode Woodland ist online anzusehen. Ich hoffe, Du hast genauso viel Freude mit Ray Mears Berichtweise (und die des großväterlichen Professors), wie ich es hatte.

Aktualisierung: Das Video wurde entfernt, aber andere sind noch bei YouTube zu finden.

  1. Siehe dazu folgende exzellente Beiträge m.w.N. von Stephan bei WholeHealthSource: How to Eat Grains, Grains as Food Update und Traditional Preparation Methods Improve Grains‘ Nutritional Value.

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