Born to Run – wir sind alle Läufer

Vor kurzem habe ich endlich das Buch Born to Run von Christopher McDougall in die Hände bekommen. Ständig war es (und ist noch) in der Bibliothek vorgemerkt. Es hat eine Ewigkeit gedauert, bis ich an der Reihe war, es auszuleihen. Das Warten hat sich aber durchaus gelohnt! Das Buch ist eine tolle Lektüre und motiviert unheimlich zum Laufen.

Wir werden in eine Welt geführt, in der das Laufen zentral und so leicht wie das Atmen ist und eine grenzenlose Freude bereitet. Wir lernen Ultramarathonläufer kennen, die 100 Meilen am Stück laufen; einen Ex-Faustkämpfer, der nach dem Kampf, der ihn berühmt machen sollte, sich in die Barranca del Cobre (deutsch: Kupferschlucht) in Mexiko zurückzog und seitdem dort mit den Indianern des Stammes der Tarahumara lebt und läuft.

Die Tarahumara, die sich selber die Rarámuri (das laufende Volk) nennen, sind die eigentlichen Helden des Buches. In abgelegenen Schluchten laufen sie, nur mit selbstgemachten Sandalen beschuht, hunderte von Meilen ohne Pause und mit unvergleichlicher Freude. Die wenigen Male, an denen sie an Ultramarathonläufen teilgenommen haben, haben sie mit Leichtigkeit gewonnen. Während andere Top-Läufer sich erschöpft über die Ziellinie zwingen mussten, liefen sie noch am Ende mit einem Lächeln und voller Frische.

McDougall, vom Beruf her Journalist und vom Hobby her Läufer, will das Geheimnis dieser Superathleten entdecken. Selber von einer Laufverletzung geplagt will er herausfinden, wieso die Tarahumara auf unwegsamen Gelände und ohne die Vorzüge moderner Schuhe schier unglaubliche Strecken laufen können, ohne verletzt zu werden. Denn gemäß den Aussagen zahlreicher Sportmediziner ist der menschliche Körper nicht für das Laufen gemacht.

Und so macht er sich auf den Weg, die Antwort zu finden und nimmt uns mit auf die Reise. Born to Run ist, wie die Zeitschrift Outside schreibt, „[e]ine Mischung aus Abenteuer und Sinnsuche, wissenschaftlicher Auseinandersetzung und Geschichte.“ Im Laufe des Buches treffen wir auf Drogenbanden und Schlangen, lauffreudige Surfer, Aussteiger und Professoren. Wir lernen auch über die Geschichte des Laufens und die Entwicklung des modernen Laufschuhs.

McDougall entdeckt, dass das Geheimnis all jener Läufer, die nicht von typischen Laufverletzungen geplagt werden, eine Frage der Technik ist. Genauso wie es im Tennis oder Golf eine richtige Technik gibt, gibt es eine richtige Technik beim Laufen. Es ist eine Technik, die wir instinktiv beherrschen, die aber durch moderne Laufschuhe erschwert bis gar unmöglich gemacht wird.

Entsprechend zeigen Studien, dass umso teurer ein Laufschuh ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Läufer sich verletzt. 123% wahrscheinlicher, um genau zu sein. Der Grund: teurere Schuhe haben in der Regel mehr Schnickschnack1 und können so den Fuß besser vom Boden entfremden.

Nichtsdestotrotz ist das Buch bei Weitem nicht eine wissenschaftliche Abhandlung. Nur ein Kapitel von 32 Kapiteln beschäftigt sich eingehend mit der Wissenschaft. Die anderen Kapitel führen zum Höhepunkt des Buches: ein Wettrennen über 50 Meilen zwischen den besten Ultramarathonläufern der USA und den Tarahumara in Mexiko.

Fazit: Born to Run ist eine tolle Lektüre für jeden Lauffreund und für jeden, der gerne ein Lauffreund werden möchte!

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  1. Schnickschnack bei Wikipedia über Laufschuhe: „Zu den Hauptfunktionen von Laufschuhen zählt die Dämpfung und die Stabilisierung, das heißt das Stützen und Führen des Fußes während der Stand- und Abstoßphase. Weiterhin sollen Laufschuhe Fußfehlstellungen ausgleichen, wie beispielsweise die häufig auftretende Überpronation oder seltener die Supination. Laufschuhe haben im Vergleich zu anderen Schuhen einen stärkeren Fersenkeil, um die Abrollbewegung zu unterstützen. Da es mittlerweile recht differenzierte Laufschuhmodelle gibt, ist es sinnvoll, dass der Laufschuh auf den Einsatzbereich und die individuellen Merkmale eines Läufers abgestimmt wird – wie beispielsweise das Gewicht oder eventuell vorhandene Fehlstellungen.“

6 Kommentare:

  1. Hallo Bertram,

    eine kleine Frage. Hast du das Buch auf englisch oder deutsch gelesen? Habe gelesen, dass die deutsche Übersetzung nicht so gut sein soll.

    Viele Grüße

    • Hallo Milk,

      das Buch habe ich auf englisch gelesen. Ich habe gerade gesehen, dass eine Rezension bei Amazon die deutsche Übersetzung aus sprachlichen Gründen kritisiert, andere Rezensionen sagen wiederum nichts dazu. Eine schlechte Übersetzung wäre sehr schade!

      Viele Grüße

      • Ja genau die habe ich auch gelesen. Mal schauen, vlt hat das Buch die Bibliothek.

        Aber Danke für die Antwort

        • Falls das Buch bekommst, könntest Du kurz berichten, wie Du die Übersetzung findest?

          • Ich kenne das original nicht 🙂 , aber ich kann natürlich dann über das Buch berichten. Wie ist es denn überhaupt geschrieben? Ist es schwer verständlich/sehr wissenschaftlich? Oder doch eher , dass man es lesen kann?

            • Super, danke! Zu Deiner Frage: Born to Run ist leicht verständlich und eher eine spannende Geschichte als ein wissenschaftliches Werk. Nur ein Kapitel von den insgesamt 32 beschäftigt sich eingehend mit der Wissenschaft des Laufens und auch dort ist alles gut verständlich. Ich wünsche jedenfalls viel Spaß und hoffe, dass die Übersetzung das Lesevergnügen nicht trübt!

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