Deine Haut – eine (molekulare) Landkarte

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Elefantenhaut von Filipe FortesFlickr, CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=3219516

Mikroben sind ein spannendes Thema! Unser Mikrobiom hat vermutlich einen ungeheuren Einfluss auf unsere körperliche und emotionale Gesundheit. Bislang haben wir uns hier bei OriginalHealth hauptsächlich mit den Mikroben in unserem Inneren beschäftigt. Heute wollen wir uns kurz den Mikroben auf unserer Haut widmen bzw. der chemischen Landkarte der Haut, die grundsätzlich auch von den darauf besiedelten Mikroben bestimmt wird.

Unsere Haut ist unser größtes Organ und ständigen Umwelteinflüssen ausgesetzt, insbesondere den hausgemachten. Schon einmal gezählt, was wir über einen Tag verteilt selber auf unsere Haut auftragen? Shampoo & Spülung, Duschbad, Peeling, Bodylotion, Tagescreme, Make-up, Deo, Rasierschaum, Rasierwasser, Sonnencreme, Make-up-Entferner, Reinigungsmilch, Nachtcreme, … die Liste kann beängstigend lang werden. Und was uns alle nachdenklich machen sollte: Das Zeug haftet an uns, manches sogar für mehrere Tage, und könnte Einfluß auf unsere Gesundheit haben.

Um diese molekulare Gemengelage besser verstehen zu können, haben US-Wissenschaftler die erste 3D Landkarte der Chemikalien auf der Hautoberfläche (Zusammenfassung bei WIRED) erstellt.

Kartierungen der Haut beziehen sich meist nur auf das Mikrobiome, also das Ökosystem der den Menschen oder andere Lebewesen besiedelnden Mikroorganismen. Das Vorkommen bestimmter Bakterien kann ein Hinweis auf Allergien oder Krankheiten sein. Das neue an dieser 3D-Karte ist, dass sie es nicht nur ermöglicht aufzuzeigen, wo sich die Mikroorganismen befinden, sondern auch was sie dort machen. Die Hautzellen und Mikroben produzieren durch ihren normalen Stoffwechsel Moleküle, die wie Nachrichtenträger fungieren. Sortiert man diese in einer Art Karte, dem Metabolom (eine Zusammenfassung aller charakteristischen Stoffwechsel-Eigenschaften einer Zelle bzw. eines Gewebes oder Organismus), können diese Nachrichten abgefangen und gelesen werden.

Die Forscher fanden an den Testpersonen ca. 20.000 Moleküle, von denen 80% keine bekannte chemische Signatur aufwiesen und niemand sagen kann, ob sie von Hautzellen, Bakterien oder Cremes stammen. Interessant war, dass ca. 14% der erkennbaren Moleküle von Kosmetikprodukten stammten. Obwohl wir täglich Millionen von Hautzellen verlieren, wird die chemische Signatur nicht zerstört und fungiert sogar als eine Art Fingerabdruck. Und das bedeutet auch: Es ist nicht egal, welche Seifen und Cremes wir täglich auf unsere Haut auftragen.

Es ist recht wahrscheinlich, dass unsere tägliche Routine im Bad die mikrobiellen Populationen auf unserer Haut beeinflussen. Die Forscher versuchen nun herauszufinden, wie sich diese Einflüsse auf unsere Gesundheit auswirken. Vielleicht kann bald das Vorkommen bestimmter Moleküle an bestimmten Stellen der Haut mit spezifischen Krankheiten in Verbindung gebracht werden.

Bis dahin sollte man versuchen, die natürliche Zusammensetzung der Mikroorganismen auf unserer Haut möglichst wenig zu beeinflussen und die Liste der Dinge, die wir an unsere Haut lassen – ganz nach dem Slogan „An meine Haut lasse ich nur Wasser und…“ – kurz und bewusst gewählt zu halten.

Persönlich bevorzuge ich die Produkte von Dr. Bronners, weil sie ohne Chemie sind. Ein Freund von mir duscht sich sogar meistens nur mit Wasser, obwohl er viel Sport treibt und schwitzt. Manchmal duscht er täglich, manchmal nur alle paar Tage. Er müffelt nicht und ich kann ihn sehr gut riechen. Deos hat er noch nie verwendet und andere Körperpflegeartikel auch nicht.

Wie oft muss man sich denn überhaupt duschen, um nicht wie eine Bestie zu stinken? Die meisten werden sicherlich „täglich“ schreien, aber der besagte Freund ist das beste Beispiel, dass das nicht erforderlich ist.

Wie ist es aber, wenn ein Normalo plötzlich aufhört, sich der täglichen Dusche zu unterziehen?

In dem Beitrag in The Atlantic I quite showering, and life continued berichtet der Arzt und Journalist Dr. James Hamblin über seinen Selbstversuch, nicht mehr zu duschen. Es gibt auch ein sehr gutes Video dazu (auf Englisch):

Dr. Hamblin hat seinen Körper nach und nach an die Duschlosigkeit gewöhnt, d.h. von der täglichen Dusche zur Dusche alle zwei Tage zur Dusche alle drei Tage zum Nicht-Duschen. Zu Beginn wurde seine Haut fettig und er roch unangenehm, aber nach und nach gewöhnte sich seine Haut an den evolutionär-gesehenen normalen Zustand, in dem die natürlichen Körperöle nicht täglich abgewaschen werden. Seine Haut war nicht mehr fettig und seine Freunde bestätigten, dass er normal roch, wie ein Mensch.

Leben einige Leser hier mehr oder weniger ohne Körperpflegeprodukte? Gerne könnt Ihr einen Kommentar hinterlassen!

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