Original Sleep – Schlafgewohnheiten von Jägern und Sammlern

Flaming June, by Frederic Lord Leighton (1830-1896).jpg
By Frederic Leighton – Artrenewal.org : notice : image, Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=256244

Schlaf – eines der wichtigsten Elemente in einem glücklichen und gesunden Leben. Grundsätzlich ist Schlaf eine einfache, natürliche Sache. Man legt sich hin und schläft. Dennoch bereitet der Schlaf vielen Probleme.

Aber wenn man mal einen richtig guten Schlaf erwischt… .

Ich kann mich sehr gut an eine meiner besten Nächte erinnern. Ich hatte eine lange Busreise hinter mir, laut und stickig war es. Unser Ziel war ein Bergdorf im Norden Ecuadors – endlich angekommen, machten wir uns auf den Weg zur Unterkunft, die 1 oder 2 Kilometer außerhalb des Dorfkerns lag. Dort angekommen entledigten wir uns unseres Gepäck, gingen wieder runter in das Dorf, holten uns Hähnchen und Reis von einem kleinen Stand am Park, aßen genüßlich, und wanderten wieder in Richtung Dunkelheit und Ruhe zu unserer Unterkunft. Wir schliefen bei offenem Fenster. Es war komplett dunkel und ruhig, das Haus war aus Holz gezimmert, eine kühle Brise wehte durch das offene Fenster.

Am nächsten Morgen erwachten wir beide dermaßen erfrischt und glücklich. Wir hatten beide geschlafen wie Steine, tief und fest. Das Gefühl nach dem Erwachen war unglaublich. Wir sprechen heute noch darüber, Jahre später.

Umso mehr haben wir uns auf die zweite Nacht gefreut, aber leider war diese für uns beide nur normal – weder gut noch schlecht, aber nach der ersten Nacht auf jeden Fall eine große Enttäuschung.

Was lief schief, wo war der Unterschied? Die Antwort werden hier nicht finden können, aber ein Blick auf die Schlafgewohnheiten gegenwärtiger, prä-industrieller Kulturen dürfte aufschlussreich sein, um die Fragen zu klären, wieviel Schlaf man braucht, wie man schlafen sollte, usw.

Genau das hat Jerry Siegel von der University of California – Los Angeles getan. Die Ergebnisse überraschen!

Siegel hat die Hadza in Tanzania, die San in Namibia und die Tsimane in Bolivien untersucht (insgesamt 94 Personen für 1165 Tage) und einige der etablierten Erkenntnisse bestätigen können, wie z.B. Licht am Morgen, eine konstante Aufwachzeit, und eine kühle Schlafumgebung.

Er hat aber auch entdeckt, dass diese Völker im Schnitt weniger als 6,5h Schlaf hatten – im Sommer rund 6h, im Winter ca 7h. Das ist weit weniger, als die allgemein genannten 8h, die man braucht. Sie blieben auch durchschnittlich 3,5h nach Sonnenuntergang wach.

Ich hatte anderweitig gelesen, dass wir in Zeiten vor Aufkommen des elektrischen Lichts einen zweigeteilten Schlaf hatten. Dies wird z.B. in dem Buch In der Stunde der Nacht: Eine Geschichte der Dunkelheit von A. Roger Ekirch vertreten. Ekirch beruft sich auf Passagen in älterer Literatur, u.a. Shakespeare, in der vom ersten Schlaf und vom zweiten Schlaf gesprochen wird. The Guardian hat diese Erkenntnis schön zusammengefasst:

The book’s most fascinating revelation is that our pre-industrial ancestors experienced what Ekirch calls „segmented sleep“: there was „first sleep“ until midnight, then a „second sleep“. In between, they tended the fire, read or talked, had sex, smoked and meditated on the events of the previous day. Electric lighting has altered our sleep patterns and robbed us of this nocturnal hiatus.

In fact, Ekirch contends that the „gradual elimination“ of night has actually impaired the quality of our dreams and deprived us of „a better understanding of our inner selves“. What began as a history of nighttime becomes by the end a lament for a night we have lost.

Siegel konnte keinen zweigeteilten Schlaf finden; zwar wachten manche in der Nacht auf, aber in der Regel nur für kurze Zeit.

Verfechter des Mittagsschläfchens, auf Neudeutsch auch Power-Nap genannt, werden vermutlich enttäuscht. Im Sommer wurde lediglich alle fünf Tage einen Mittagsschlaf gehalten, im Winter so gut wie nie.

Eine für mich sehr interessante Erkenntnis ist, dass die Aufwachzeit eher temperatur- als zeitabhängig war. So wurde aufgewacht, als die Umgebung die niedrigste Temperatur erreicht hat – auch, wenn sich dies nach Tagesanbruch ereignete.

Allen drei Völkern war zudem gemein, dass sie morgens am meisten Licht abbekamen. Licht ist wichtig sowohl für unsere Stimmung als auch für die innere Uhr. Und so gilt womöglich sehr wohl: Licht am morgen vertreibt Kummer und Sorgen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.